© 2009-2012 Gender - Theorie oder Ideologie?

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- Theorie oder Ideologie?

Gender-Ideologie - eine KurzeinführungWas ist Normativität?Die biologische Dimension unseres Mann- und FrauseinsEin kritischer Blick auf die GeschlechterdebatteWarum ist unsere Geschlechtlichkeit ausschließlich biologisch bedingt?Die Polarität Mann-FrauDas Pamphlet einer Gender-Forscherin - Sigrid Schmitz dekonstruiert

Die biologische Dimension unseres Mann- und Frauseins

Ist die Fragestellung eigentlich erlaubt, inwieweit unser Mann- und Frausein biologisch bedingt sein könnten? Ist dies nicht eine merkwürdige Frage? Denn dies könnte ja zur Konsequenz haben, daß Männer und Frauen nicht gleich sind und daß wir niemals einen Anteil von 50% männlichen Kindergärtnern erreichen, welches ja bekanntlich eines der wichtigsten Ziele auf dem Weg zur Gleichberechtigung darstellt. Männer dürfen schließlich nicht durch Frauenbastionen und -seilschaften benachteiligt werden.

Was blüht uns, wenn wir uns der Frage nach der biologischen Dimension der Geschlechtlichkeit stellen? Ist es nicht ausgeschlossen, daß unsere Geschlechtlichkeit "biologisch" bedingt ist? In einer "modernen und progressiven Gesellschaft", in der wir die Gleichberechtigung der Geschlechter verwirklichen wollen, im "21. Jahrhundert"?

Wir sollten uns also vergewissern, ob wir nicht etwas Verbotenes tun, wenn wir uns so dezidiert mit biologischen Erklärungsversuchen auseinandersetzen. Wer weiß? Vielleicht verletzt man die religiösen Gefühle von Anhängern der Gender-Theorie?

Mann und Frau sind - das werden auch Gender-Theoretiker nicht bestreiten - körperlich unterschiedliche Lebewesen. Die jeweilige Anatomie hat sich im Laufe vieler Jahrmillionen herausgebildet.
Würde jemand behaupten, daß Mann und Frau körperlich gleich sind? Wieso sollte nicht ihr ganzes Wesen, also auch ihre psychisch-mentale Verfassung, jeweils biologisch bedingt sein, wenn es so deutliche körperliche Differenzen gibt?
Was ergibt es für einen Sinn, daß Männer und Frauen im Laufe der Evolution eine deutlich verschiedene körperliche Verfassung erworben haben, die sie in besonderem Maße für unterschiedliche Aufgaben befähigt, auf geistig-mentaler Ebene aber völlig gleich sein sollen? Wie sind sie überhaupt zu dieser unterschiedlichen Verfassung gekommen?

Ist es möglich, daß evolutionär eine deutlich verschiedene körperliche Konstitution entsteht ohne eine substantiell divergierende mentale Orientierung?

Was tut eigentlich eine Löwin in ihrem Leben? Macht sie das Gleiche wie ihr Gatte? Haben sie sich in langwierigen Auseinandersetzungen auf ein Rollenmodell geeinigt? Oder könnte es vielleicht ein bißchen mit Biologie zu tun haben, wie sich Löwe und Löwin verhalten? Warum gibt es eigentlich eine Löwin und einen Löwen? Wieso haben sich diese im Laufe der Evolution entwickelt? Ist eine Löwin entstanden, damit sie das Gleiche tut wie ihr Löwenmann? Ist dies in irgendeiner Weise sinnvoll? Wieso geschieht eigentlich solch eine Differenzierung?

Wie kommen wir eigentlich dazu, von männlichen und weiblichen Löwen zu sprechen? Warum haben wir uns diese Begriffe ausgedacht? Was genau bezeichnen diese Begriffe eigentlich?

Könnte es vielleicht sein - ohne daß man die heilige Gender-Theorie und die Zukunft der Gleichberechtigung infrage stellen möchte -, daß die geschlechtliche Differenzierung den Sinn und Zweck hat, daß die Geschlechter jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen und somit das gemeinsame Überleben besser sichern?

Dies alles sind Fragen, die sich der besorgte Bürger stellt, liebe Anhänger der Gender-Theorie. Er möchte ja so gerne an die Gender-Theorie glauben. Um des lieben Friedens willen. Allein, der Verstand will nicht so recht mitmachen.

Was können wir also tun in solch einer vertrackten Situation?

Wir könnten suggerieren, die biologische Fragestellung sei "sexistisch" oder "biologistisch", wenn nicht gar "heteronormativ"! Damit ließe sie sich vielleicht wieder aus der Welt schaffen. Oder wir behaupten, sie diene politischen Zwecken und sei rückschrittlich. Sind deren Vertreter nicht alle irgendwie "rechts"? Und gegen Gleichberechtigung?

Möglicherweise werden sich aber kritisches Denken und biologische Erklärungsversuche durch diese Maßnahmen nicht ganz verhindern lassen.

Wir müssen also zum Äußersten greifen!

Wir werden sämtliche biologischen Argumente bis ins kleinste Detail durchdenken, so widerwärtig uns dies auch vorkommen mag. Es hilft nichts, denn wir müssen uns in die Feinde der Gleichberechtigung und des gesellschaftlichen Fortschritts hineinversetzen und ihr Denken antizipieren. Nur so läßt sich eine unüberwindliche Gender-Phalanx aufbauen, die jegliches biologische Argument abzuwehren in der Lage ist.

Was erblicken unsere Augen nun, liebe Genossen, wenn wir unser Antlitz auf die Biologie von Mann und Frau richten? Was soll dort schon zu sehen sein, möchte man meinen.

Es gibt gewiß viele Unterschiede im Aufbau des Gehirns und in dessen Aktivitätsmustern. Warum sollte dieser Umstand den Schluß nahelegen, daß sich diese Unterschiede auch in einem jeweils unterschiedlichen Wesen von Mann und Frau niederschlügen? Zumal die jahrtausendealte Menschheitsgeschichte oder unser subjektives Empfinden von Männlichkeit und Weiblichkeit dies nicht im geringsten nahelegen. Nicht wahr?

Solche Zuschreibungen und Interpretationen können nur zweckgerichtet sein und politischen Motivationen entstammen, wie es Gender-Forscher immer wieder von neuem beweisen. Niemand kann anhand unterschiedlicher Aktivitätsmuster und Hirnareale darauf schließen, daß diese irgendeine Auswirkung auf die mentale Verfassung der Geschlechter hätten.

Es ist hingegen viel naheliegender, daß die Unterschiede in den Gehirnen von Frauen und Männern im Laufe der Evolution deshalb entstanden sind, schlicht und einfach weil sie überhaupt keine Rolle spielen. Ein unmittelbar sich aufdrängender Gedanke. Mann und Frau können mental-psychisch völlig gleich sein. Denn wir wissen ja nicht, wie sich die organischen Hirnunterschiede psychisch auswirken. Es ist offensichtlich, daß Unterschiede von Mann und Frau über viele Jahrmillionen vermutlich deshalb entstanden sind, um eine Gleichheit beider Geschlechter zu gewährleisten.

Gender-Theoretiker betonen dies ja nicht so vehement, weil sie so sehr an dieser Vorstellung hingen und das Ziel der Gleichberechtigung mit einer völligen Gleichheit von Mann und Frau in Verbindung bringen, sondern völlig selbstlos und aus rein deskriptiven Gründen.

Dies alles wird viel zu wenig beachtet. In ihrem biologistischen Erklärungseifer übersehen die Verfechter einer Geschlechterordnung solch einfache und offenliegende Momente.

Gleiches gilt für den jeweils spezifischen Hormonhaushalt von Männern und Frauen. Wer sagt denn, daß dieser nicht bei beiden das Gleiche bewirkt? Wozu sollten Testosteron und Östrogen im Laufe der Evolution schon auf tierischer Ebene entstanden sein, wenn nicht um die genau gleichen Wirkungen zu erzeugen? Diese Differenzierung wird gerade deshalb eingetreten sein, da Männchen und Weibchen genau die gleichen Lebensanforderungen hatten und somit ein identisches Fähigkeitsprofil benötigten. Das ist mit hoher Wahrscheinlickeit der Grund, warum diese hormonellen Unterschiede überhaupt entstanden sind. Wozu sollten sonst Unterschiede entstehen, wenn nicht, um die Gleichheit von Mann und Frau zu gewährleisten?

Schon allein die Tatsache, daß überhaupt im Laufe der Evolution die Geschlechtlichkeit entstanden ist, also die Aufteilung einer Spezies in zwei Gruppen, welche wiederum aufeinander zur Fortpflanzung angewiesen sind, legt nichts anderes nahe, daß dies nur deshalb geschehen sein kann, weil die völlige Gleichheit von männlichen und weiblichen Tieren und eben nicht die Spezialisierung und Differenz so vielversprechend hinsichtlich des Überlebens einer Art waren. Die Geschlechter sind also entstanden, um - richtig! - völlig gleich zu sein.

So ist es.

Wie kann man nur auf die Idee kommen, daß all die körperlichen Unterschiede von Männern und Frauen gerade deshalb entstanden sind, weil sie damit besser ausgestattet sind für die Bewältigung unterschiedlicher Aufgaben? Dies ist fast so ungeheuerlich, als wollte man behaupten, eins und eins ist zwei.

Was sich für manch einen von uns zunächst absurd anhören mag, läßt sich leicht dekonstruktivistisch und poststrukturalistisch erklären. Denn mittlerweile weiß jeder aufgeklärte und in der Gender-Forschung bewanderte Mensch, daß nicht nur unsere Geschlechtsunterschiede, sondern auch die numerischen Zuschreibungen unserer Zahlen kulturell bedingt sind und vermutlich einer patriarchalen Ordnung entstammen, wie es Gender-Forscher jüngst entdeckt haben. Einfache mathematische Gleichungen wie "eins und eins ist zwei" erweisen sich immer mehr als patriarchale Konstrukte, die von der feministischen Forschung zunehmend dekonstruiert und als frauenunterdrückend entlarvt werden.
Solche Gleichungen spielen eine nicht unerhebliche Rolle bei der Aufrechterhaltung des Systems der Zweigeschlechtlichkeit. Es ist also von erheblicher Bedeutung, die kulturellen Zuschreibungen hinter den uns vertrauten Zahlen zu entlarven. Sie sind das Produkt einer androzentrischen Sichtweise, die sich bis heute in den von Männern dominierten Naturwissenschaften hält, Frauen ausgrenzt und meint, es gäbe so etwas wie objektive Erkenntnis. Wir müssen also auch über die Einführung eines Faches "Gender-Mathematik" nachdenken, um Mädchen vor Diskriminierung und Fremdbestimmung durch eine patriarchale Algebra zu schützen, die mit absoluten "männlichen" Normsetzungen die Emanzipation von Frauen behindern will.

Dies alles, liebe Freunde, sind Argumente, die Biologisten nicht auf ihrer Rechnung haben und die klar zeigen, daß ihre theoretischen Erklärungen nur interessengeleitet und von finsteren Absichten bestimmt sein können.

Wenn nicht gar "maskulistisch". Oder "antifeministisch"! Oder "heteronormativ"!

Oder sogar "heterosexistisch"! Habe ich "neokonservativ" vergessen?

Kommen wir nun, lieber Leser, nach diesen allgemeinen Überlegungen, die für sich schon in beeindruckender Weise die Hinfälligkeit biologischer Erklärungen aufgezeigt haben und einer evolutionsbiologisch nützlichen Polarität von Mann und Frau klar widersprechen, auf eine konkretere Ebene. Wenden wir uns dem Körperbau zu!

Was mag uns dieser wohl hinsichtlich angeblicher Wesensunterschiede von Mann und Frau verraten?
Nun, es fällt auf, daß Männer größer sind, mehr Muskeln haben, einen robusteren Körper. Jeder halbwegs aufgeklärte und genderbewußte, also von vornherein moralisch überlegene und sich für das Gute einsetzende Teilnehmer der Geschlechterdebatte weiß natürlich, daß auch Frauen gejagt haben. Denn anderslautende Meinungen sind eine Projektion bürgerlicher Vorstellungen des 19. Jahrhunderts auf die Steinzeit.
Darüberhinaus wurde mit erstaunlicher Präzision ausgeschlossen, daß das von Gender-Theoretikern lancierte Bild der jagenden oder Werkzeuge benutzenden Frau möglicherweise eine interessengeleitete Projektion feministischer Vorstellungen auf die Steinzeit ist, um politischen Forderungen Nachdruck zu verleihen. Diese Möglichkeit wurde bereits durch die feministische Forschung selbst widerlegt.

Ein weiterer Beleg dafür, daß auch Frauen gejagt haben, ist die größere Schmerzempfindlichkeit von Frauen. Dies ist ein klarer Vorteil bei Mammuttieren und anderen Vertretern der steinzeitlichen Megafauna. Denn diese haben es gerade auf Menschen mit Bärten und geringerer Schmerzempfindlichkeit abgesehen und gingen gegen diese besonders brutal vor. Die größere Schmerzempfindlichkeit von Frauen hat sich offenbar entwickelt, damit diese einen Vorteil im Überlebenskampf und hinsichtlich jägerischer Fähigkeiten hatten.

Es ist auch klar ersichtlich, daß sich die schweren, muskelbepackten Arme von Männern viel weniger für das Werfen von Speeren und die Benutzung von anderen Jagdwerkzeugen eigneten. Das größere Eigengewicht stellt hier eine deutliche Behinderung dar, so daß angenommen werden muß, daß die steinzeitlichen Frauen mit ihren grazilen und beweglichen Armen viel besser für die Anforderungen der Jagd ausgerüstet waren.

An dieser Stelle sollte einmal Erwähnung finden, wie leicht es sich also mit obigen Überlegungen und mithilfe der völlig wertneutralen Gender-Forschung zeigen läßt, daß es sich um kulturelle Fremdbestimmungen handelt, wenn kleine Jungs gerne mit Stöcken und Waffen spielen und erwachsene Männer seit Jahrtausenden zur Jagd gehen. Dies ist gerade ein Beweis dafür, daß diese angeblich essentiellen männlichen Interessen kulturell bedingt sind und sich dem patriarchalen Machtgefüge verdanken. Das weibliche Jagdpotential wurde über Jahrtausende unterdrückt.

Wenden wir uns nun voller Inbrunst den Gesichtszügen zu! Was mögen diese uns über vermeintliche Wesensunterschiede von Mann und Frau verraten?

Auch hier, liebe Freunde, drängt sich sogleich der Gedanke auf, daß die unterschiedlichen Gesichtszüge von Männern und Frauen sich genau deshalb entwickelt haben, weil sie die Geschlechter für die Bewältigung der exakt gleichen Umweltanforderungen befähigen sollten. Weshalb sollten sich sonst spezifische Gesichtszüge entwickeln?
Sonst wäre es ja auch im gar nicht möglich, daß in heutiger Zeit der Frauenanteil in Männerberufen 50% erreichen kann. Schon deshalb ist es also naheliegend, daß unterschiedliche Gesichtszüge und unterschiedlicher Körperbau in keiner Weise Schlüsse über unterschiedliche Interessen, Neigungen, Talente und Lebensanforderungen von Männern und Frauen rechtfertigen. Es wäre ja gelacht, wenn wir nicht mithilfe der wertneutralen feministischen Forschung das Gegenteil beweisen und solch rückwärtsgewandte und konservative, also extrem böse und interessengeleitete Ansichten widerlegen könnten.

Wenn wir nun die weiblichen Gesichtszüge betrachten, so fällt auf, daß diese weicher sind als die männlichen und daß sich Gefühle wie Zuneigung, Nähe und Freundlichkeit damit stärker zum Ausdruck bringen lassen. Auch Mitgefühl und Empathie sind mit einem weiblichen Gesicht deutlicher zu zeigen.

Auf der anderen Seite fällt auf, daß das männliche Gesicht härtere Züge aufweist und sich mit ihm besser Gefühle wie Wut, Aggression, Entschiedenheit, Autonomie sowie Distanz und Abgrenzung ausdrücken lassen.

Merkwürdig ist auch, daß diese Gefühlsqualitäten genau gegensätzlich und komplementär sind, sich also bestens ergänzen.

Wie mag es nun zu solch geheimnisvollen Unterschieden gekommen sein, lieber Leser?

Genau hier zeigt sich wiederum das kritische und aufklärerische Potential der glorreichen, ja geradezu faszinierenden und völlig zweckfreien Gender-Forschung, welche biologistische Zuschreibungen hinterfragt und ihren gesellschaftlichen Kontext aufdeckt.

Denn machen wir uns nichts vor, verehrter Leser.

Wir müssen bedenken, daß heutige Rollenvorstellungen eine große Rolle spielen bei der Interpretation der oben dargestellten Fakten über die Gesichtszüge von Männern und Frauen.

Biologistische Sexisten und ihre Verbündeten mißbrauchen ungeniert anatomische Unterschiede von Mann und Frau als Legitimation für die herrschende Geschlechterordnung und systemkonforme Rollenerwartungen.
Angeblich sind die weiblichen Gesichtszüge besonders gut dafür geeignet, um gegenüber einem kleinen Baby Zuneigung auszudrücken und ihm emotionale Wärme zu schenken. Ist dies wirklich so?

Sind die weiblichen Gesichtszüge entstanden, weil es in dieser Hinsicht einen entsprechenden Selektionsdruck gab? Kann es wirklich sein, daß die Fähigkeit zur Schwangerschaft so gedeutet werden kann, daß Frauen ihre Kinder aufgezogen haben? Daß sie ihre Neugeborenen mithilfe ihrer Brüste mit Muttermilch versorgten?

Ist es überhaupt zulässig, hier einen Zusammenhang zu konstruieren? Zumal ein solcher ohne weiteres von rückschrittlichen gesellschaftlichen Kräften mißbraucht werden könnte, um Frauen zu unterdrücken und sie in eine Mutterrolle zu drängen? Es kann nicht oft genug darauf hingewiesen werden, liebe Freunde, wie Biologisten - und nicht etwa Feministinnen - die Wissenschaft für ihre Zwecke mißbrauchen und mit ihren Erklärungsversuchen eine geschlechtlich aufgeteilte Welt legitimieren wollen. Das ist ganz, ganz schlimm, und nur die feministische Wissenschaft mit ihrer strikt neutralen und deskriptiven Herangehensweise scheint hier einen Ausweg bahnen zu können.

Ich verweise noch einmal auf die zwingende Notwendigkeit, daß Frauen die Hälfte der Managerposten innehaben müssen und ebenso in Führungspositionen repräsentiert sein müssen.

Es kann also keinen Zweifel daran geben, liebe Genossen, daß die weiblichen Gesichtszüge gerade nichts damit zu tun haben, daß es angeblich die Hauptaufgabe von Frauen war, die Kinder großzuziehen und zu betreuen. Die sind mit Sicherheit irgendwie anders entstanden.

Irgendwie werden die Gesichtszüge von Frauen schon entstanden sein. Dies muß uns aber nicht weiter kümmern, liebe Weggefährten.

Wie sich leicht zeigen läßt und wie wir weiter oben im Hinblick auf den Körperbau bereits angedeutet haben, ist das weibliche Gesicht geradezu dafür geschaffen, um in Konkurrenz- und Aggressionssituationen zu bestehen. Man stelle sich einmal vor, wie eingeschüchtert beispielsweise menschliche bzw. vormenschliche Feinde, die die jeweilige Gruppe bedrohen und gegen die man sich verteidigen muß, beim Anblick mehrerer wütender Frauen gewesen sein müssen. Wer sagt denn, daß damals nicht ganz andere Rollenbilder vorherrschten und das weibliche Gesicht und der Körper als sehr bedrohlich angesehen wurden?

Genau hierfür, lieber Leser, ist die Gender-Forschung zuständig. Sie entlarvt scheinbare biologische Gewißheiten und beweist den kulturellen Kontext traditioneller Rollenbilder und biologischer Erklärungen. Wir müssen uns immer wieder klarmachen, daß es ja heutige Zuschreibungen sind, liebe Freunde, mit denen wir auf die Vergangenheit blicken. Unsere Wahrnehmung ist kontaminiert durch ein historisch bedingtes System der Zweigeschlechtlichkeit.

Ausgestattet mit dieser Gewißheit können wir uns nun voller Tatendrang den männlichen Gesichtszügen zuwenden!

Zuvor aber noch eine Bemerkung: Daß kleine Mädchen gerne mit Puppen spielen und sich für Babys interessieren, erweist sich nach den vorausgehenden Überlegungen als klare gesellschaftliche Fremdbestimmung, mit welcher Frauen eine bestimmte Rolle zugewiesen wird und sie von gesellschaftlichen Machtpositionen ausgegrenzt werden sollen. Sobald man die Augen öffnet, wird einem klar, wie absurd die Vorstellung ist, daß das spielerische Vergnügen von Mädchen etwas damit zu tun haben könnte, daß Frauen schwanger werden und die Kinder säugen. Hier wird wieder einmal die revolutionäre Bedeutung der Gender-Theorie deutlich, die gnadenlos Rollenstereotype und patriarchale Wertvorstellungen hinterfragt. Mit ausreichend entwickeltem Gender-Bewußtsein sind wir dazu in der Lage, solche normativen Verknüpfungen und deren Geschichtlichkeit zu hinterfragen.

Sind die männlichen Gesichtszüge tatsächlich besonders gut dazu geeignet, sich gegenüber anderen abzugrenzen, nein zu sagen und sich durchzusetzen? Aber wie läßt sich dies mit dem robusteren Körperbau von Männern in Einklang bringen, welcher, wie wir ja bereits festgestellt haben, recht ungeeignet ist, um sich in Extremsituationen zu behaupten. Man stelle sich einmal vor, Männer - jawohl Männer! - konkurrieren um die Führung in der Gruppe. Sind hier nicht ein robuster Köperbau und eine geringere Schmerzempfindlichkeit eher hinderlich? Man vergesse nicht den männlichen Bart!

Was für Mammute sowie die gesamte vorgeschichtliche Megafauna gilt, gilt natürlich auch für den Konkurrenzkampf in der Gruppe. Hier sind Frauen deutlich besser qualifiziert. Männer sind hier hoffnungslos unterlegen. Frauen können mit ihren freundlichen Gesichtszügen viel besser klarmachen, daß sie der Chef sind. Dies ist umso deutlicher, als Frauen sich mit ihrem grazilen Körper - ich erinnere an das geringere Eigengewicht! - viel besser durchsetzen und ihre Kompetenz im Umgang mit Werkzeugen und Jagdutensilien unter Beweis stellen können.

Angesichts dieser offensichtlichen Zusammenhänge hat man fast das Gefühl, Menschen, die unsere Geschlechtlichkeit biologisch zu erklären versuchen, litten unter einer schweren Paranoia. Man kann ihnen nur das Beste wünschen und hoffen, daß sie aus ihrer geistigen Umnachtung einmal herausfinden.

Vielleicht mithilfe der Gender-Theorie.

Wir konnten also zeigen, daß das männliche Gesicht gerade nicht entstanden ist, weil es für ein konkurrenz- und führungsorientiertes Leben nützlich ist. Diese Erkenntnis steht auch im Einklang mit unseren Betrachtungen zum männlichen Körperbau. Männer, die untereinander klarmachen, wer der Stärkste oder Beste ist, sind also Karikaturen einer bürgerlichen Ideologie! Erfunden, um einen Begründungszusammenhang zu erdichten, der erklärt, warum Männer gerne nach politischer und wirtschaftlicher Verantwortung streben und hier deutlich stärker als Frauen repräsentiert sind. Das ist feministische Wissenschaft, liebe Freunde.

Eine wichtige Frage, die uns im Zusammenhang mit der Biologie von Mann und Frau interessieren muß, ist die Frage nach der Entdeckung und Nutzbarmachung des Feuers. Auch hier haben wir es mit der üblichen Problemstellung zu tun. Wir alle wissen, daß kleine Jungen gerne mit dem Feuer spielen. Auch erwachsene Männer können sich für pyrotechnische Angelegenheiten begeistern. Das Feuer wurde von den damaligen Hominiden vor ungefähr 500000 Jahren entdeckt. Wie selbstverständlich wird davon ausgegangen, daß die Entdeckung des Feuers ausschließlich Männersache war.

Hier nun tritt die feministische Forschung auf den Plan und zeigt - völlig unvoreingenommen -, daß es nicht ein prähistorischer Prometheus war, der das Feuer entdeckte, sondern selbst- verständlich eine Frau. Womit übrigens auch das Selbstbewußtsein heute lebender Frauen wiederhergestellt ist, die stolz auf eine mutige, den Männern trotzende Vorfahrin zurückblicken können. Der Mythos der Frau, die den Göttern das Feuer stahl, muß noch geschrieben werden! Nennen wir sie Pyromedea.

In dieser siegestrunkenen Stimmung ist es uns auch ein leichtes zu beweisen, daß die zierlichen und schmerzempfindlicheren Hände unserer Pyromedea viel besser für das anstrengende Geschäft des Feuermachens geeignet waren. Vermutlich haben sie sich genau deshalb so entwickelt. Davon müssen wir - nach Jahrzehnten feministischer Forschung - ausgehen.

Was bleibt also vom Bild des kokelnden kleinen Jungen? Eine reine kulturhistorische Konstruktion! Wir müssen davon ausgehen, daß kleine Mädchen und Frauen mindestens genau so gerne mit dem Feuer spielen und hier massivst unterdrückt werden. Mithilfe der feministischen Forschung können wir dazu beitragen, daß die uns fremdbestimmende Geschlechterordnung beseitigt wird.

Die vorausgehenden Betrachtungen führen uns direkt zur nächsten Frage. Wie mag es darum bestellt sein, wer eigentlich schwere Werkzeuge wie den Faustkeil benutzt hat. Könnte es nicht sein, daß hier vielleicht das Bild, das uns heute bei dieser Fragestellung unwillkürlich emporsteigt, stimmig ist? Wir sehen Männer vor uns. Handwerker, Bauarbeiter, Landwirte.

Aber auch hier kann die schmerzliche Einsicht nicht unterbleiben, liebe Freunde, daß es sich letztlich um eine patriarchale Projektion auf die Vergangenheit handelt, wenn wir uns einen männlichen muskulösen Urmenschen vorstellen, der mit einem Faustkeil Werkzeuge und Waffen herstellt.

Denn schauen wir uns die männliche Hand an: kräftig, groß, muskulös. Eine Pranke. Ideal geschaffen für das Halten eines Babys. Unnötig an dieser Stelle zu betonen, daß die prähistorische Gemeinschaft bereits Vätermonate kannte. Sie hat dies natürlich anders ausgedrückt.

Die feministische Theorie konnte zeigen, daß es in der idealen vorgeschichtlichen Gesellschaft, die noch keine Geschlechterrollen kannte, bereits Vätermonate gab und die Aufgaben zwischen Männern und Frauen genau aufgeteilt waren. Denn wir alle wissen: Wenn alle alles gleich machen, dann ist das Gleichberechtigung.

So sind die männlichen Hände entstanden.

Wie kann es angesichts dieser Erkenntnisse sein, daß sich Frauen weniger für technische Berufe interessieren, für's Handwerk, für Naturwissenschaften oder Informationstechnologie?

Und wie kann es sein, daß trotz einer idealen prähistorischen Gesellschaft, die vermutlich eine Art Urfeminismus darstellte, sich solch klare Geschlechterrollen ergeben haben?

Es ist doch ein Paradox. Es sind keinerlei Geschlechterrollen bei Mann und Frau angelegt. Es gibt keinerlei biologische Anlagen und trotzdem hat sich überall auf der Welt das gleiche Schema von männlichen und weiblichen Lebenssphären ausgebildet. Überall auf der Welt und auch zu allen Zeiten. Es gibt keine zeitlichen Schwankungen. Obwohl doch unsere Geschlechtsrollen rein kulturell bedingt sind und einem patriarchalen Unterdrückungssystem der Zweigeschlechtlichkeit entstammen.

Auch hier, liebe Weggefährten, ist ein neuer Blick auf das Geschehen notwendig. Geschärft durch den kritischen Impuls der Gender-Forschung.

Es ist also naheliegend, daß es irgendeinen geheimnisvollen, bisher unbekannten Faktor geben muß, der zu dieser überwältigenden Homogenität der oktroyierten und fremdbe- stimmenden, ja bösartigen, "Geschlechterrollen" geführt hat.

Dies kann aber selbstredend nicht die Biologie sein!

Wie unsere bisherigen Überlegungen in einem erstaunlichen Maße gezeigt haben.

Die Gender-Forschung ist ein noch junger Forschungszweig, voller Potential. Sie wird es sein, die das zukünftige Wissen und das Schicksal der Menschheit maßgeblich mitbestimmen wird. Wer sonst sollte die Antwort auf die Frage nach dem mysteriösen und sagenumwobenen unbekannten Faktor liefern, wenn nicht sie?

Welches ungeheure Potential in der Gender-Theorie steckt, ist deutlich geworden, als wir schonungslos biologistische Argumentationen und Perspektiven unter die Lupe genommen und dekonstruiert haben.

Dies, liebe Freunde, soll uns Verheißung sein für die zukünftige Ära des Menschengeschlechts!

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