© 2009-2015 Gender - Theorie oder Ideologie?

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- Theorie oder Ideologie?

Gender-Ideologie - eine KurzeinführungWas ist Normativität?Die biologische Dimension unseres Mann- und FrauseinsEin kritischer Blick auf die GeschlechterdebatteWarum ist unsere Geschlechtlichkeit ausschließlich biologisch bedingt?Die Polarität Mann-FrauDas Pamphlet einer Gender-Forscherin - Sigrid Schmitz dekonstruiert

Das Pamphlet einer Gender-Forscherin - Sigrid Schmitz dekonstruiert

Im vorliegenden Text wird ein ausgesprochen demagogisches und dümmliches Pamphlet der Gender-Forscherin Sigrid Schmitz zu besprechen sein. Es eignet sich hervorragend, um zum einen die Verblendung von Gender-Forschern aufzuzeigen und zum anderen gewisse Strukturmerkmale zu analysieren, die in "Gender"-Argumentationen immer wieder vor- kommen. Sigrid Schmitz ist habilitierte Biologin und Professorin für Gender Studies in Wien. Zuvor übte sie die gleiche Tätigkeit in Freiburg aus. Ihrer Vita ist zu entnehmen, daß sie 2002 den "Frauenförderpreis der Universität Freiburg" gewann. Ihr Artikel, der 2006 in der Wochenzeitung "Die Zeit" erschienen ist, hat folgende Überschrift:

Niemand weiß, ob eine Frau oder ein Mann das Werkzeug erfunden hat

Die Grundthese von Schmitz lautet: Weder Evolutions- noch Hirnforschung stützten die These von den biologisch bedingten Geschlechtsunterschieden. Zudem seien bildgebende Verfahren in der Hirnforschung keineswegs eine eindeutige und objektive Erkenntnismethode.

In dem Text verwendet Schmitz häufig die Wörter "Feminismus" oder "feministisch" und bringt zum Ausdruck, daß es so etwas wie "Feministische Wissenschaft" geben könne. Was wird eine solche dezidiert politische Wissenschaft wohl bringen, möchte man Frau Schmitz fragen. Vermutlich neutrale, nicht zweckgerichtete Erkenntnisse - wie es im übrigen die "nichtfeministische Wissenschaft" ebenfalls zum Ziel hat.

Wie kann es um die geistige Integrität und den intellektuellen Horizont einer Professorin bestellt sein, die eine politische Wissenschaft betreibt und bewirbt? Was hat eine politische Bewegung und Weltanschauung wie der Feminismus in der Wissenschaft zu suchen?

Widmen wir uns einer ersten bemerkenswerten Passage des Textes:

Beliebte Erklärungen für Geschlechterunterschiede liefert die Evolutionstheorie. Der männliche Jäger hat demnach vor Millionen Jahren im Überlebenskampf eine bessere Orientierungsfähigkeit und ein größeres Aggressionspotenzial entwickelt. Die weibliche Sammlerin hingegen habe sich der Kooperation und Sprachentwicklung gewidmet. Selten wird erwähnt, dass in der Evolutionsforschung bis heute darüber gestritten wird, wer wann mit welchen Werkzeugen zu arbeiten begonnen hat und ob die Erfindung der Jagdwerkzeuge der entscheidende Evolutionsschritt zur Menschwerdung war – oder ob nicht die sammelnden Frauen erste Werkzeuge erfunden haben.

Es lässt sich nicht entscheiden, welche Theorie stimmt, weder Knochenfossilien noch Steinartefakte oder Tragegefäße beweisen diese oder jene Version. Die Geschlechterforschung zeigt, wie dieselben Befunde gegensätzliche Theorien stützen und manche je nach Passgenauigkeit ausgewählt, andere dagegen weggelassen werden.

Das Biologie-Studium ist wohl auch nicht mehr das, was es mal war. Auch Professorin Schmitz könnte registriert haben, daß der männliche Körper in außerordentlicher Weise dafür geschaffen ist, körperliche Extremsituationen zu bewältigen, wie es die Jagd darstellt. Sigrid Schmitz wird als ausgebildete Biologin hoffentlich wissen, daß Männer weniger schmerzempfindlich sind, daß Männer größer und kräftiger als Frauen sind. Auch sind die größeren und kräftigeren Hände und Arme von Männern wie dafür geschaffen mit Werkzeugen wie dem Faustkeil zu arbeiten. Frau Schmitz wird doch nicht die Auffassung vertreten, daß in existentiellen prähistorischen Zeiten eine Gleichstellungskommission für den "geschlechtergerechten" Werkzeuggebrauch gesorgt hat? Ganz ausgeschlossen ist das wohl nicht.

Mir als Mann ist es egal, wer gejagt hat und wer die Jagdwerkzeuge erfunden hat. Es spricht aus "nichtfeministischer" Sicht aber einiges dafür, daß es Männer waren. Jemand wird Sigrid Schmitz auch mitteilen müssen, daß es relativ unerheblich ist, worüber "die Evolutionsforschung" bis heute streitet. Denn erstens ist sie nur eine Wissenschaft unter vielen und zweitens kann sie möglicherweise auch irgendwann einmal zu dem Ergebnis kommen, daß Männer überwiegend körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten ausgeübt und Frauen vornehmlich die leichteren Arbeiten ausgeführt haben - wie es sich aus den anatomischen Gegebenheiten von Mann und Frau zwingend ergibt.

Zumindest kann man als Normalbürger gewisse Zweifel daran haben, daß Frauen mit ihren zierlichen Händen und ihrem schwächeren Körper mit einem Faustkeil hantierten oder sich bei der Jagd verlustierten. Möglicherweise braucht man also gar keine Evolutionsforschung, um hier Gewißheit zu erlangen.

Sigrid Schmitz ist Biologin. Wenn sie ein ernsthaftes Interesse daran hätte, ihr Wissen über die Evolutionstheorie auf den Menschen anzuwenden, so käme sie leicht zu dem Ergebnis, daß Männer typisch männliche Tätigkeiten vollführt haben müssen - schlicht und einfach weil ihr Körper dafür geschaffen und wesentlich besser geeignet ist. Sie käme auch zu der Schlußfolgerung, daß sich der männliche Körper nur deshalb so entwickelt haben kann, gerade weil grobe handwerkliche Arbeiten und körperliche Extremsituationen konstitutiv für das männliche Leben in der Steinzeit waren. Der männliche Körper ist also der Beweis für die Dinge, die angeblich so fragwürdig und "umstritten" sind.

Diese hier beschriebenen Sachverhalte kann man auch ganz ohne Biologie-Studium, Promotion oder Habilitation realisieren, wenn man ein ehrliches Erkenntnisinteresse hat. Möglicherweise ist eine "feministische" Ausrichtung von Wissenschaft, wie Schmitz sie propagiert, ein ernsthaftes Hindernis für eine neutrale Erkenntnisperspektive.

Es bleibt festzuhalten, daß sich Sigrid Schmitz als biologische Analphabetin entpuppt. Davon zeugt auch ihre Formulierung, "die weibliche Sammlerin hingegen habe sich der Kooperation und Sprachentwicklung gewidmet". Das höhere weibliche Sprachtalent verdankt sich einem evolutionären Selektionsdruck, vermutlich weil dieses sehr vorteilhaft für die Beziehung zu einem sprachunfähigen und äußerst kommunikationsbedürftigen Kind war. Frauen haben sich also nicht der "Sprachentwicklung gewidmet" - denn dies wäre irrelevant für die biologische Konstitution der Frau - sondern sprachintelligentere Frauen und ihre Kinder hatten bessere Überlebensbedingungen, sodaß sich dieses zufällige Merkmal evolutionär durchsetzte. Schmitz' Formulierung läßt eine gewisse Naivität und Unbedarftheit erahnen.

Bemerkenswert an den zitierten Passagen ist ebenfalls, daß Schmitz hier geschickt rhetorisch einen Brei rührt, in dem sie mehrere Fragen gleichzeitig behandelt und vermengt. Man betrachte noch einmal folgende Zeilen:

Selten wird erwähnt, dass in der Evolutionsforschung bis heute darüber gestritten wird, wer wann mit welchen Werkzeugen zu arbeiten begonnen hat und ob die Erfindung der Jagdwerkzeuge der entscheidende Evolutionsschritt zur Menschwerdung war – oder ob nicht die sammelnden Frauen erste Werkzeuge erfunden haben.

Eben noch will Schmitz den Punkt machen, daß in der Evolutionsforschung gestritten werde, welches Geschlecht welche Werkzeuge benutzte - nun scheint auf einmal klar zu sein, daß Männer jagten und Frauen sammelten. Entweder weiß die Forschung genau, wie nun die Sachlage war, was Frau Schmitz bestreitet, - oder Schmitz hat Informationsquellen, die der Wissenschaft nicht zugänglich sind. Vielleicht bringt Frau Schmitz mit dieser Fehlleistung ja ungewollt zum Ausdruck, daß sie es selbst für ziemlich fragwürdig hält, daß Frauen Jagdutensilien und Faustkeile benutzten.

Zur Demagogie von Frau Schmitz gehört es auch, daß sie hier eine Frage zum Thema macht, die für die Geschlechterdiskussion völlig irrelevant ist: Nämlich die Frage, was zur "Menschwerdung" geführt haben möge und welches Geschlecht da wohl mehr Verdienste aufgewiesen habe. Mal abgesehen davon, daß der Mensch wohl nur "gemeinsam" zum Menschen geworden ist, also wohl kaum ein Geschlecht dort vorangeschritten sein wird, so ist es auch sehr naiv, die Entwicklung zum Homo sapiens allein auf die Werkzeuganwendung zu reduzieren und dann darüber zu mutmaßen, wer nun mit welchen Werkzeugen hier den "entscheidenden Schritt" gemacht habe.

Aber noch einmal: Sigrid Schmitz geht es in ihrem Text eigentlich um die Geschlechterdebatte und eine vermeintliche Affirmation von Geschlechtsunterschieden, die nicht bewiesen seien. Dazu verweist sie auf die Evolutionsforschung, die darüber streite, was zur Menschwerdung geführt habe.
Da es Frau Schmitz aber ganz offensichtlich wurmt, daß möglicherweise Jagdwerkzeuge hier eine große Rolle gespielt haben, verweist sie demonstrativ auf "sammelnde" Frauen, die eventuell noch vor den Männern Werkzeuge entwickelt hätten, also die Frauen "zuerst" Menschen geworden sind, um Schmitzens Bild einmal zu karikieren.

Frau Schmitz will also sagen, daß niemand weiß, wer welche Werkzeuge erfunden habe, und kontert damit, daß Frauen sammelten und Männer jagten. Werde daraus mal einer klug.

Weiter im Text. Man schaue sich nun folgende Passage an:

Geschlechterunterschiede im Gehirn werden seit 150 Jahren gesucht. Größe und Gewicht des Gehirns dienten dabei lange dazu, die weibliche Intelligenz abzuwerten. Inzwischen geht es eher um geschlechtsspezifische Besonderheiten.

Hier nun haben wir das Hauptmuster der Gender-Rhetorik: Das Verunglimpfen der biologischen Erklärungskategorie. Die pauschale Unterstellung der Zweckgerichtetheit biologischer Erklärungsvorschläge. Der gesamte Text von Sigrid Schmitz ist von einem abwertenden, süffisanten Tonfall geprägt, wenn es um biologische Erklärungen der Geschlechtsunterschiede geht, ergänzt durch einen progressiven Habitus, der suggeriert, man stehe aufseiten der Aufklärung und des Fortschritts.

Schmitz bringt in dieser Passage das Forschen nach biologisch bedingten Geschlechtsunterschieden in Zusammenhang mit einer misogynen Abwertung von Frauen. Diesen Aspekt gab es zweifelsohne - er ist aber für die biologische Forschung als solche irrelevant. Die frauenabwertende Haltung einiger Biologen um 1900 speist sich ja nicht aus der biologischen Erklärungsperspektive, sondern aus ihren menschlichen Schwächen und unlauteren Absichten. Es kann also auch eine neutrale und seriöse biologische Forschung nach Geschlechtsunterschieden existieren. Schmitz zeigt nicht, wo der Zusammenhang zwischen früheren misogynen und heutigen differenzierenden Erklärungsansätzen der Biologie liegt. Natürlich kann sie dies auch nicht, es ist ein simpler demagogischer Trick.

Für diesen Trick benutzt Schmitz einen subtilen Kniff, indem sie das kleine Wörtchen "inzwischen" verwendet. "Inzwischen" gehe es nicht mehr um die Abwertung von Frauen, sondern um das schiere Feststellen von "geschlechtsspezifischen Besonderheiten". Jetzt, da man also biologische Erklärungen nicht mehr für die Abwertung von Frauen mißbraucht, mißbraucht man sie offenbar für die Konstruktion von Unterschieden der Geschlechter. Hinter letzterem Vorhaben stehen also erneut unlautere Absichten.

Es ist bereits völlig ausreichend, sich einmal diesen Duktus genau vor Augen zu führen und sich dabei zu fragen, ob dies die Diktion einer seriösen und neutralen Forscherin sein kann. Was muß man für ein geistiges Niveau haben, um mit solch primitiven und oberflächlichen Suggestionen zu arbeiten? Wie sämtliche Gender-Forscher bringt Schmitz hier unverhohlen zum Ausdruck, daß die Forschung nach biologischen Geschlechtsunterschieden zweckgerichtet sei und niederen Motiven entstamme. Auf diesen Topos wird später noch einmal zurückzukommen sein. Schmitz qualifiziert also hier durch ein paar saloppe und schnippische Formulierungen jegliche biologische Forschung nach Geschlechtsunterschieden ab. Die Erklärung, was heutige Geschlechterforschung in der Biologie mit misogynen Traktaten vor mehr als einem Jahrhundert zu tun haben soll, bleibt die Professorin Schmitz schuldig. Dieses Niveau ist schlicht erbärmlich für einen Akademiker.

In der folgenden längeren Passage reflektiert Schmitz über bildgebende Verfahren wie die Computertomografie und ihre Verwendung in der Forschung. Auch hier geht Schmitz sehr vage und unkonkret vor, um bestimmte Dinge zu suggerieren. Sie verweist auf Forschungen, die einerseits deutliche Geschlechtsunterschiede bei der Sprachverarbeitung konstatieren und andererseits keine Unterschiede feststellen - mit offenbar derselben Methode, der Computertomographie:

Eine Gesamtanalyse der computertomografischen Geschlechterstudien bei Sprachleistungen von Iris Sommer, fünf Jahre später in Brain erschienen, fand ebenfalls keine durchgängigen Differenzen. Die Variabilität innerhalb der Frauen- und Männergruppen ist höher, als die Unterschiede zwischen ihnen sind.

Dieser letzte Satz ist nun einer der Treppenwitze der Gender-Ideologie, den man am besten mit einer Analogie aus dem körperlichen Bereich veranschaulichen kann. Wenn Männer im Durchschnitt 1,80 Meter groß sind und Frauen vielleicht 1,70 Meter, so stellen wir die unglaubliche Tatsache fest, daß die Unterschiede in der Gruppe aller oder vieler Männer ebenfalls deutlich größer sind als die Unterschiede vom Durchschnittsmann und der Durchschnittsfrau. Wenn man tausend Männer aus der Bevölkerung nimmt, so wird man vermutlich eine Bandbreite von 1,60 bis 2,10 feststellen, also ganze 50 Zentimeter. Die Tatsache also, daß es größere Varianzen innerhalb einer Geschlechtergruppe gibt, sagt rein gar nichts aus und ist völlig irrelevant. Wir sprechen nämlich von durschschnittlichen Geschlechtsunterschieden.

Frau Schmitz sollte sich vielleicht hüten, weiter Artikel öffentlich zu publizieren. Sie könnte damit unfreiwillig weitere Belege für die geringere Kompetenz von Frauen im Erfassen von mathematisch-objektiven Zusammenhängen liefern, wie es der Alltagserfahrung entspricht. Jedenfalls verraten diese Äußerungen ein peinliches Unvermögen, das man einer Professorin eigentlich nicht zutrauen mag. Vielleicht ist ja die explizit "feministische" Ausrichtung von Frau Schmitz der Grund für diese erheiternde Fehlleistung.

Es ist also nichts Besonderes an der Tatsache, daß die Varianz innerhalb einer Gruppe größer ist als die Varianz zwischen zwei Gruppen. Es kann statistisch trotzdem eine klar nachweisbare und empirisch immer wiederkehrende Differenz zwischen zwei Gruppen existieren.

Wir haben es hier mit einem der vielen unverbindlichen und mißmutig kredenzten "Null-Argumente" der Gender-Ideologie zu tun, die immer wieder einen Beleg dafür liefern, daß hier Forscher eigentlich kein ernsthaftes Interesse daran haben, sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen und ihre eigenen Ansichten zur Disposition zu stellen.

Die vorliegende Passage des "Zeit"-Artikels von Sigrid Schmitz ist auch deshalb interessant, weil Schmitz zunächst betont, wie unbestimmt die Ergebnisse bildgebender Verfahren seien. Es seien hochkomplexe Vorgänge, die keine direkte Wiedergabe der Realität seien, sondern vielmehr in hohem Maße auf den (technischen) Vorentscheidungen und Interpretationen der Forscher beruhten.

Und nun verkündet uns Schmitz stolz, es seien "keine durchgehenden Unterschiede" in einer Gesamtanalyse solcher Studien festzustellen gewesen. Nun, dies mag an den spezifischen Entscheidungen der Forscher liegen, die die Computertomografen bedienen und Variablen festlegen. Es ist also kein Wunder, daß bei solch einer Forschungsmethode ein solch diffuses Bild entsteht. Man könnte auch fragen, was die Wendung "keine durchgehenden Unterschiede" genau bedeuten soll. Vielleicht kommt ja doch eine ganze Anzahl von Studien zusammen, die Unterschiede feststellt.

Frau Schmitz beruft sich hier also auf eine Methode, die sie zunächst als recht kontingent abqualifiziert, um sie sogleich wiederum als Beleg für eine Nichtexistenz oder Nichtbewiesenheit biologischer Geschlechtsunterschiede aufzuwerten. Eine Methode ist diffus und kann daher nicht als Kronzeuge für Geschlechterdifferenzen herhalten. Dann zeigt eine Gesamtanalyse, daß die Ergebnisse eher divergent sind - und diese Ergebnisse dienen nun als Kronzeuge dafür, daß also keine Geschlechtsunterschiede verifiziert werden konnten.

Das ist Logik nach Gender-Manier. Alles, was das sozial-konstruktivistische Weltbild und die politischen Idealvorstellungen dieser Forscher zu bestätigen scheint, wird emporgehoben - entgegenstehende Argumente, Aspekte und Fakten werden systematisch ausgeblendet, rhetorisch abqualifiziert oder delegitimiert. Es ließe sich noch die spitze Bemerkung anfügen, daß die angeführten Studien ja offenbar keine höhere Sprachkompetenz von Männern feststellten, sondern allenfalls keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Vielleicht ist ja die These von den höheren sprachlichen Fähigkeiten von Frauen doch nicht so verwegen und wird tendenziell auch von bildgebenden Verfahren gestützt. Schmitz hätte uns bestimmt hocherfreut mitgeteilt, wenn in manchen Studien Männer eine größere Hirnaktivität gezeigt hätten.

Nun legt Frau Schmitz nach:

Die Abkehr von der Minderwertigkeitstheorie der Frau hin zur Postulierung partikulärer Vor- und Nachteile der Geschlechter manifestiert auch nur gesellschaftliche Zuschreibungen an männliche Kampfbereitschaft und weibliche Versorgungsbereitschaft, die unsere Gesellschaft angeblich zum Überleben brauche. Wenn, wie vor etwa einem Jahr, der Harvard-Präsident solche Biologismen anführt, um Frauen aus der wissenschaftlichen Laufbahn auszuschließen, wird deutlich, dass es um Macht geht.

Hier wiederholt Professorin Schmitz noch einmal die rhetorische Figur der Diskreditierung der biologischen Forschungsperspektive - und zwar in einer noch drastischeren und unverfroreneren Weise. Hier schreibt sie also explizit von einer "Abkehr von" (der Minderwertigkeitstheorie der Frau) "hin zur Postulierung" von Geschlechtsunterschieden. Dreister geht es wohl nicht mehr. Professorin Schmitz wird sicherlich zahlreiche Belege für die niederträchtigen Motive heutiger biologischer Forscher und ihrer Erklärungsansätze darlegen.

In ihren oben zitierten Worten bringt Frau Schmitz unmißverständlich zum Ausdruck, daß sie biologische Erklärungen der Geschlechtsunterschiede als politisch instrumentalisiert ansieht. Auch hier vermißt man nun die Beweisführung, wo der Zusammenhang zwischen angeblichen politischen und ökonomischen Interessen auf der einen Seite und dem Feststellen biologischer Geschlechtsunterschiede auf der anderen Seite liege.

Diese paranoide Argumentationsfigur ist das Herz der Gender-Ideologie. Hier fühlt man sich unwillkürlich an Verschwörungstheorien und ihre Anhänger erinnert, da dieser Vorwurf in solch einer wahnhaften und abstrakten, niemals belegten Weise ergeht.

Perfide wird es nun bei den Äußerungen über den ehemaligen Harvard-Präsidenten Larry Summers. Noch einmal die Worte Schmitz':

Wenn, wie vor etwa einem Jahr, der Harvard-Präsident solche Biologismen anführt, um Frauen aus der wissenschaftlichen Laufbahn auszuschließen, wird deutlich, dass es um Macht geht.

Larry Summers vertrat in einer Rede die Ansicht, daß der geringe Anteil an Frauen in naturwissenschaftlichen Fächern genetisch bedingt sei. Oder anders ausgedrückt: Er hält gewisse Geschlechtsunterschiede für natürlich bedingt. Wie kommt nun Frau Schmitz darauf, Herrn Summers zu unterstellen, er wolle Frauen ausschließen? Ist Frau Schmitz paranoid? Hat sie geheime Kenntnisse über Summers? Oder, polemisch formuliert, hat sie einfach ein Problem mit einer biologischen Erklärung für den geringen Frauenanteil in den Naturwissenschaften?

Es stellt sich zudem die Frage, wie man mit der Behauptung, hier gebe es biologische Determinanten, eigentlich "Frauen ausschließen" kann. Wie geht das? Wie funktioniert das? Wie werden weibliche Studenten in Harvard nun an ihrem Naturwissenschaftsstudium gehindert oder an einer Forscherkarriere? Woher weiß Schmitz, daß es sich bei Summers Worten nicht um einen unschuldigen Erklärungsversuch, sondern um den Beginn einer konzertierten Aktion gegen Frauen in der Naturwissenschaft handelt?

Alles Rätsel, deren Lösung offenbar nur die Gender-Gemeinde kennt. Denn plausible Begründungen für ihre zahlreichen konfusen und wahnhaften Behauptungen werden der Umwelt leider nicht mitgeteilt.

Man muß sich immer wieder klarmachen, daß Gender-Theoretiker mit der größtmöglichen Klarheit zum Ausdruck bringen, daß ihnen biologische Erklärungen für Geschlechtsunterschiede prinzipiell, vor aller Empirie suspekt sind und daß sie keinerlei Interesse aufbringen, sich seriös und neutral mit ihrem Forschungsgegenstand auseinanderzusetzen. Diese Dinge lassen sich mit schlafwandlerischer Sicherheit in jedem Gender-Konvolut nachweisen.

Zum Abschluß ihres Textes greift Schmitz noch einmal in die Gender-Mottenkiste und wiederholt die Figur der willkürlichen Delegitimierung biologischer Erklärungsversuche:

Feministische Forschung rüttelt am Objektivitätsmythos der Naturwissenschaften, sie verunsichert. Vielleicht erklärt sich hieraus der Widerstand: In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Unsicherheit ist der Rückgriff auf Sicheres verständlich, und die Biologie bietet scheinbar ein Fundament.

Auch hier also wieder die willkürliche Diskreditierung und Inkriminierung der biologischen Perspektive. Die Biologie liefert keine plausible Erklärungskategorie, die äußerst stichhaltig ist, sondern ist lediglich Mittel zum Zweck. Die Biologie existiert für Gender-Paranoiker ausschließlich als Krüppel, als Fratze, als instrumentalisierte Pseudowissenschaft, die keinerlei Legitimität beanspruchen kann. Es ist nicht zufällig eine tiefenpsychologische Ironie, daß dieses zuletzt genannte Bild exakt auf die Gender-Forschung zutrifft - die tatsächlich einen Krüppel, eine Krücke darstellt für die politischen Interessen von Feministinnen und einigen Homo- und Transsexuellen.

Die von Schmitz konstruierten Zusammenhänge werden natürlich mit keinem einzigen Wort belegt oder auch nur plausibel gemacht. Schmitzens Rhetorik ist das übliche suggestive Geraune, mit dem Gender-Forscher versuchen bei einem unbedarften Publikum Eindruck zu schinden.

Es bleibt festzuhalten, daß nicht ein einziger wasserdichter oder relevanter Gedanke in diesem Text zu finden ist. Es handelt sich ausschließlich um Mutmaßungen, Schwadronieren und willkürliche Anschuldigungen, die Sigrid Schmitz in diesem Text zum Besten gibt.

Es ist ein ideologisches Pamphlet wie aus dem Bilderbuch. Schmitz hat noch ein paar weitere Artikel mit sehr ähnlichem Inhalt im Internet und anderswo veröffentlicht. Sie wirken wie Paraphrasierungen ein und desselben Textes. Es sind immer die gleichen hohlen Phrasen. Sehr bezeichnend ist, daß im vorliegenden Text die politische Gesinnung und Interessenlage der Autorin unmißverständlich zu Tage treten. Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie ein seriöser Wissenschaftler solch einen Text verfassen kann.

Sinn und Zweck dieses Verrisses war es weniger, eine typische Gender-Forscherin vorzuführen, als vielmehr zu zeigen, was für einen ausgemachten Blödsinn man von promovierten oder habilitierten Gender-Theoretikern erwarten kann. Diese Armutszeugnisse werden in seriösen Blättern wie z.B. der "Zeit" publiziert und kommen in einer sehr selbstbewußten und selbstverständlichen Sprache daher. Wir haben es hier gewissermaßen mit einer Neuauflage des Märchens "Des Kaisers neue Kleider" zu tun. Die "Kleider" sind hier akademische Begriffe, progressives Geraune und Getue und - wie im Falle Judith Butlers - eine möglichst komplizierte und schöngeistige Sprache.

Sicherlich gibt es weniger dumme Vertreter der Gender-Theorie als Sigrid Schmitz. Der Unsinn kommt dann nicht mehr ganz so plump und leicht zu entlarven daher. Mir ist es wichtig, dem Studenten oder Normalbürger beispielhaft vorzuführen, was von der Gender-Kulisse übrig bleibt, wenn man ein entsprechendes Pamphlet auseinandernimmt. Ich werde wohl in Zukunft noch weitere Vertreter des Gender-Milieus hier behandeln und "dekonstruieren" - um mal eine Vokabel des Gender-Betriebes zu karikieren.

Ironischerweise lassen sich die Gender-Postulate tatsächlich als politisch zweckgerichtete Konstrukte entlarven. Sigrid Schmitz zeigt mit ihrer platten, tendenziösen, widersprüchlichen und faktenresistenten Argumentation sowie ihren plumpen Diffamierungen biologischer Forschung eindeutig, daß hier nicht neutrale Wissenschaft am Werk ist, sondern persönliche Eitelkeiten, Befindlichkeiten und politische Weltanschauungen.

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